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Bertelsmann-Studie: Soll die private Krankenversicherung (PKV) abgeschafft werden?

Eine neue Analyse der Bertelsmann-Stiftung hat sich mit der Abschaffung der PKV beschäftigt. Beauftragt wurde das IGES-Institut Berlin, welches zu dem Ergebnis kommt, dass die GKV jährlich einen zusätzlichen Überschuss von rund 9 Milliarden Euro erzielen könnte, wenn alle Bundesbürger gesetzlich versichert wären.

Was wird aus dem Beitragssatz?

In der Studie wird davon ausgegangen, dass der Beitrag rund 0,6 bis 0,2 geringer ausfällt, als dies bislang der Fall war. Würden alle derzeit privat Versicherten in die GKV wechseln, sollte also ein geringerer Beitrag für alle ebenso möglich sein, wie eine gute Versorgung bei gleichzeitig hohen Gewinnen.

Die Einsparung würde für die bisherigen GKV-Mitglieder bei rund 145 Euro jährlich liegen. Allerdings muss gegengerechnet werden, dass die Ärzte ein geringeres Honorar bekommen, wenn sie gesetzlich Versicherte behandeln. Deshalb wäre hier ein Ausgleich angebracht. Um diesen bereinigt, würde der Vorteil der Versicherten zwar schrumpfen, aber immer noch bei rund 50 Euro jährlich liegen.

Wie kommt es zu diesen Vorteilen?

Die Versicherten, die sich heute in der PKV tummeln, verdienen erheblich mehr, also ist von dort eine höhere Beitragseinnahme zu erwarten. Im Schnitt verfügen die Privatversicherten über ein 56% höheres Einkommen.

Weiterer Vorteil: die bislang Privatversicherten leben gesünder. Dies zeigt sich unter anderem an einem Krankenhausaufenthalt von ca. 17% jährlich, gegenüber 23% bei den GKV-Versicherten.

Zudem gibt es unter den Privatpatienten wesentlich weniger chronische Erkrankungen, Behinderungen und Pflegebedürftigkeiten.

Auch beim Thema Ärztemangel würde so manches Problem gelöst. Denn aufgrund der um 2,5fach höheren Vergütung lassen sich Ärzte besonders gern dort nieder, wo es viele Privatpatienten gibt. Würde dieser Vorteil entfallen, kann man davon ausgehen, dass der Ärztemangel in manchen ländlichen Gebieten von selbst verschwindet.

So sähen die Konsequenzen aus

Würden sich alle Versicherten zusammentun, um das Risiko zwischen Kranken und Gesunden auszugleichen, würde es eine weitaus besser funktionierende Solidargemeinschaft geben. Der Gesundheitsexperte der Bertelsmann-Stiftung, Stefan Etgeton, drückt das so aus: "Der durchschnittliche GKV-Versicherte zahlt jedes Jahr mehr als nötig, damit sich Gutverdiener, Beamte und Selbstständige dem Solidarausgleich entziehen können".

Die Bundesärztekammer spricht bei der Studie von einem "Griff in die ideologische Mottenkiste" und sich in der Folge deutlich dafür aus, dass das bisherige System erhalten bleibt und andere Reformen greifen.



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