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Weniger Bürokratie für Klinikärzte - dringender Appell der Ärzte an Verantwortliche

Die Arbeitsbedingungen von Ärzten sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich ist seit Langem Grund für Kritik. Die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, hat bei der 140. Hauptversammlung der Ärztegewerkschaft wiederum darauf verwiesen, dass die zunehmende Belastung nicht selten durch immer mehr Bürokratie erwachse. Auch die schlechte personelle Ausstattung ist ein weiterer Grund.

Mitgliederbefragung ergab schlechtes Urteil

Wie sich in der Befragung herausstellte, hat ein Viertel der rund 8.500 Beteiligten erklärt, dass sie einen Wechsel des Berufes in Erwägung ziehe. Ein schlimmes Ergebnis. Denn, so Johna, das sei ein „Skandal und Hilferuf“, den es so in keinem anderen Beruf geben dürfte.

Das Bürokratieabbaupaket im Gesundheitswesen, welches die Ampelregierung im Koalitionsvertrag angekündigt hat, sei bislang nicht umgesetzt worden. Das bezeichnete die Vorsitzende als „enttäuschend“. Bei der dringend nötigen Entbürokratisierung verstehe man nicht, warum man so zögerlich sei. Schließlich koste der Bürokratieabbau kein Geld, und würde die dringend nötigen Arbeitszeiten bei Ärzten und Pflegern freisetzen. Würde der tägliche Bürokratieaufwand halbiert, hätte man in Krankenhäusern sofort und ohne weitere Kosten die Arbeitskraft von 32.000 vollzeitbeschäftigten Ärzten zur Verfügung.

Bürokratietreiber Qualitätssicherung

Der Verantwortliche für die überbordende Bürokratie sei die Qualitätssicherung. Vorgaben und Kontrolle zur Struktur-und Prozessqualität seien zwar wichtig, aber dass mehr als zwei Millionen Datensätze pro Jahr dazu erfasst würden, sei übertrieben und habe zudem keine Auswirkungen auf die Verbesserung der Patientenversorgung.

Appell an Bundesgesundheitsminister Lauterbach

Deshalb geht ein Appell an Bundesgesundheitsminister Lauterbach, dass der Bürokratieabbau zum neuen Krankenhauskonzept gehören müsse, der von der entsprechenden Regierungskommission erarbeitet wird. Man brauche mehr Zeit für die Versorgung der Patienten. Allein schon durch den Fachkräftemangel verbiete sich die Verschwendung von Arbeitszeit.

Antrag zum sofortigen Bürokratieabbau

Die 235 Delegierten verabschiedeten heute einen Antrag zum sofortigen Bürokratieabbau. Mehrfachdokumentationen gehörten abgeschafft und der geringe Grad der Digitalisierung führe zu einem bürokratischen Aufwand, weil noch viel zu viel in Papierform abgehandelt wird.

Kritik geht auch an die Bundesländer. Denn die Gesundheitsminister der Länder hatten einem Beschluss zur Klinikreform bekräftigt, dass die Planung in Sachen Krankenhaus Ländersache sei und in deren Verantwortungsbereich bleiben müsse.

Johna sagte jedoch, dass aufgrund er jahrelangen Unterfinanzierung der Krankenhäuser durch die Länder dies nicht allzu ernst zu nehmen sei. Die Gesundheitsminister täten so, als sei alles in Ordnung und würden es an der dringend nötigen Selbstkritik fehlen lassen. Verantwortungsvolle Politik sei anders. Sie plädiert für ein sinnvolles Krankenhauskonzept über die Grenzen der Bundesländer hinaus.

Weitere Punkte des Berichts von Johna

Deutliche Belastungen der Bevölkerung durch Energie-und Corona-Krise sowie den Ukraine-Krieg seien an der Tagesordnung. Es geht um die Notwendigkeit von Einschränkungen. Das führt bei den Menschen zu Verunsicherungen und damit zu einem weiter wachsenden Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit. Das Gesundheitswesen müsse daher vor allem in solchen Krisen funktionieren und im Vordergrund stehen. Dringend nötige Investitionen in den Klimaschutz habe man zudem in den Hintergrund treten lassen, und die Einführung des nationalen Hitzeschutzplanes dürfe man ebenso nicht vergessen.

Ein weiterer Punkt betraf die sogenannte Ex-Post-Triage, die in extremen Mangelsituationen künftig möglich sein müsse. Dabei betonten Klinikärzte, dass eine Änderung der ärztlichen Indikationsstellung keine Triage sei.

Das Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes soll vom Bundestag demnächst verabschiedet werden, in dem es unter anderem eine Regelung geben soll, um die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung zu verhindern. Die Ex-Post-Triage soll aber explizit ausgeschlossen werden. Damit kann eine intensivmedizinische Behandlung nicht abgebrochen werden, weil ein Patient mit besseren Überlebenschancen behandelt werden muss.


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