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Ärzte sollen trotz neuen Gesetzes entscheidende Verantwortung bei nötiger Triage haben

Ein Alptraum für jede Familie: Ein Angehöriger liegt behandlungsbedürftig im Krankenhaus, und kann wegen zu geringer Kapazitäten die nötige Hilfe nicht erhalten. Ärzte müssen entscheiden, wer betreut wird. Dies überfordert zuweilen auch gestandene Mediziner.

Lauterbach für neues Gesetz

Während der Corona-Pandemie ist zum ersten Mal in aller Munde gewesen, was hierzulande bisher nie ein Thema war: die Triage. Die Auswahl von Patienten, die Hilfe erhalten, wenn die Kapazitäten nicht für alle reichen.

Ein neues Gesetz will hierbei Diskriminierungen ausschließen. Aber die Verantwortung wird bei den Ärzten bleiben - einige fühlen sich aber überfordert.

Pandemie hat es an den Tag gebracht

Neu ist diese spezielle Frage in der Medizin nicht, aber durch die Pandemie ist sie erstmals ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Nach welchen Kriterien entscheiden Mediziner, wer im Falle knapper Kapazitäten Hilfe bekommt und wer nicht. Neun Menschen mit Behinderungen haben bis vor das Bundesverfassungsgericht geklagt, weil sie befürchten, dass sie bei einer solchen Entscheidung benachteiligt werden.

Das neue Gesetz

Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet an einem Gesetz, in dem die pandemiebedingte Triage geregelt werden soll. Nun gibt es einen Entwurf dazu: Darin wird aufgeführt, was keine Rolle spielen darf. Behinderungen beispielsweise, Alter oder Herkunft sowie sexuelle Orientierung. Berücksichtigt wird dagegen die aktuelle Überlebenswahrscheinlichkeit. Nebenerkrankungen spielen nur dann eine Rolle, wenn sie die kurzfristige Prognose erheblich verringern. Die Entscheidung der Ärzte soll im Mehraugenprinzip getroffen werden.

Die eigentliche Verantwortung bleibt also bei den Ärzten. Die öffentliche Diskriminierung wird ausgeschlossen. Doch die Bevölkerung ist misstrauisch geworden, was die Unsicherheit unter der Ärzteschaft natürlich erhöht. Menschen mit Behinderungen gehen davon aus, dass sie während eines solchen Engpasses im Gesundheitswesens benachteiligt werden.

Im neuen Entwurf nicht mehr beinhaltet ist die sogenannte Ex-post-Entscheidung. Dadurch ist es Ärzten nicht erlaubt, schon begonnenen Behandlungen abzubrechen, weil es einen Patienten mit höherer Überlebenswahrscheinlichkeit gibt. Dies war in einem früheren Entwurf angedacht gewesen und hatte für viel Kritik gesorgt. Dies wurde aber nun als ethisch nicht vertretbar angesehen. Durch den Ausschluss des Abbruchs von Behandlungen würden es allerdings Intensivmediziner nicht mehr wagen, Therapieziele zu ändern, wenn sich abzeichnet, dass Menschen durch die Beatmung nicht mehr geheilt, sondern lediglich für Tage oder Wochen am Leben gehalten werden können. Bei Aussichtslosigkeit auf ein sinnvolles Überleben wäre es mitunter richtig, Sterben zuzulassen, häufig auch mit dem Einverständnis von Patient oder Angehörigem.

Triage sollte möglichst vermieden werden

Dennoch bleibt es das Ziel der Corona-Politik, dass solche Situationen im Gesundheitssystem gar nicht erst eintreten. Ärzte würden bei solch heikle Entscheidungen am Lebensende die Unterstützung der Gesellschaft benötigen und nicht das Gefühl, weiter in Bedrängnis zu geraten. Diese Gefahr sieht jedoch Uwe Janssens, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin.



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