Artikel vom 22.07.2026
Kliniken, Rettungswagen und mobile Teams sind in Kriegsgebieten oft die letzte Verbindung zur medizinischen Hilfe. In Teilen der Ukraine ist genau dieses Netz stark beschädigt.
Fehlen Kliniken, Rettungswagen oder Fachkräfte, wird medizinische Hilfe nicht nur knapper, sondern auch schwerer planbar und schlechter erreichbar.
Durch diese Situation entsteht nicht nur eine Unterversorgung bei Kriegsverletzungen. Die gesamte Bevölkerung wird in Mitleidenschaft gezogen. Besonders chronisch Kranke oder Menschen mit regelmäßiger Medikation benötigen durchgängig zugängliche medizinische Versorgung und erreichbare Behandlungsorte. All das ist aktuell nicht gewährleistet.
In einer Kriegsregion ist ein Krankenhaus Teil einer komplexen Versorgungsstruktur und Rettungsdienste sichern den Transport aus gefährdeten Gebieten, während mobile Teams Orte erreichen, in denen eine reguläre medizinische Versorgung so gut wie nicht mehr möglich ist. Und genau dieses Versorgungsnetz ist in Teilen der Ukraine stark getroffen.
Ärzte ohne Grenzen nennt für den Zeitraum von April 2022 bis Dezember 2025 mehr als 20 Angriffe auf eigene oder unterstützte Einrichtungen. Vier Krankenhäuser wurden vollständig zerstört. Sieben Rettungswachen mussten aufgegeben werden. Mehr als 80 Dörfer waren für mobile Teams nicht mehr erreichbar.
Besonders schwierig ist die Lage nahe der Front. Dort kann bereits der Weg zur nächsten Klinik gefährlich oder unmöglich sein. Für Patienten bedeutet das: Selbst behandelbare Beschwerden können sich verschlimmern, wenn Hilfe zu spät kommt.
Auch Schwangere, Kinder und ältere Patienten sind abhängig von regelmäßiger Betreuung. Wenn Kontrollen ausfallen, Medikamente fehlen oder Wunden nicht versorgt werden, entstehen zusätzliche Risiken. Eine Infektion, eine zu spät erkannte Erkrankung oder eine verschobene Behandlung kann dann schnell ernste Folgen haben.
Auch die Teams vor Ort geraten an Grenzen. In einem von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Krankenhaus in Cherson ist die Zahl der Ärzte seit 2022 um rund zwei Drittel gesunken.
Hinzu kommen Verletzungen, die oft schwer zu behandeln sind. Ärzte ohne Grenzen beschreibt unter anderem offene Brüche, Splitterverletzungen oder Amputationen. Solche Fälle brauchen nicht nur schnelle Notfallhilfe, sondern auch Nachkontrollen mit Verbandswechsel, Schmerztherapien und weitere Rehabilitation.
Wird eine Klinik beschädigt oder zerstört, endet der Schaden nicht mit dem unmittelbaren Angriff. Die Einrichtung fehlt anschließend bei Notfällen, Geburten, Operationen und der allgemeinen Versorgung.
Ausfallende Rettungswagen schwächen gesamte Versorgungsketten, und durch eingeschränkte mobile Teams entstehen Versorgungslücken, die sich im Alltag der Betroffenen immer wieder bemerkbar machen.
Ärzte ohne Grenzen machen in ihrem Bericht deshalb deutlich, wie eng Sicherheit und Gesundheit in der Ukraine inzwischen miteinander verbunden sind. Medizinische Versorgung benötigt geschützte Räume, verlässliche Wege und Personal, das arbeiten kann, ohne selbst ständig bedroht zu sein.
Wo diese Grundlage wegbricht, wird Krankheit für viele Menschen noch gefährlicher.