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Pestizide in der EU: Warum die Leopoldina vor dauerhaft gelockerten Zulassungsregeln warnt

Artikel vom 10.06.2026

Bei Pflanzenschutzmitteln soll sich auf EU-Ebene einiges ändern.

Eine Wissenschaftlerin analysiert in einem modernen Labor verschiedene Pflanzenproben und dokumentiert ihre Untersuchungsergebnisse. Auf dem Arbeitstisch befinden sich Petrischalen, Laborgeräte und Probenbehälter, während die Forscherin konzentriert einzelne Pflanzenbestandteile begutachtet. Die Szene steht für die wissenschaftliche Bewertung von Wirkstoffen, die kontinuierliche Überprüfung neuer Erkenntnisse und die Bedeutung von Forschung für Gesundheits- und Umweltschutz.

Geht es nach der Europäischen Kommission, könnten viele Wirkstoffe künftig ohne feste zeitliche Begrenzung zugelassen werden.

Die Leopoldina hält diesen Weg für riskant. Denn bislang müssen Genehmigungen nach einigen Jahren erneut auf den Prüfstand. Dabei können auch Erkenntnisse berücksichtigt werden, die bei der ersten Bewertung noch nicht vorlagen.

Ob die neuen Regeln tatsächlich kommen, ist noch offen. Beschlossen ist bislang nichts. Die Kritik der Wissenschaftsakademie richtet sich hauptsächlich gegen den möglichen Wegfall regelmäßiger Kontrollen.

Neue Erkenntnisse entstehen oft erst nach Jahren

Auf vielen Feldern geht es heute nicht ohne Insektizide, Fungizide und Herbizide. Sie schützen Pflanzen vor Schädlingen, Pilzen oder starkem Unkrautbewuchs. Ob ein Wirkstoff auch Jahre später noch als unbedenklich gilt, lässt sich bei der ersten Prüfung allerdings nicht immer sicher absehen.

Manche Risiken zeigen sich erst später. Neue Studien können Hinweise darauf liefern, wie Stoffe auf Menschen, Tiere, Böden oder Gewässer wirken. Feste Prüftermine schaffen deshalb die Möglichkeit, frühere Entscheidungen noch einmal zu hinterfragen und bei Bedarf zu korrigieren.

Dass solche Neubewertungen wichtig sind, zeigen auch die bisherigen Erfahrungen. Seit 2009 verloren nach Angaben der Akademie mindestens 165 Wirkstoffe ihre Zulassung. Ausschlaggebend waren unter anderem neue Forschungsergebnisse und strengere Bewertungsmaßstäbe.

Gesundheitsschutz betrifft nicht alle Menschen gleich

Aus medizinischer Sicht geht es nicht nur um Durchschnittswerte. Kinder, Schwangere und Menschen mit chronischen Erkrankungen können empfindlicher auf Belastungen reagieren. Auch Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Wirkstoffen spielen eine Rolle.

Hinzu kommen äußere Faktoren. Wetter, Hitzeperioden oder andere Belastungen können beeinflussen, wie sich Rückstände verteilen und welche Effekte entstehen. Gerade deshalb sind regelmäßige Neubewertungen mehr als Verwaltungsroutine. Sie schaffen die Möglichkeit, neue Erkenntnisse in bestehende Entscheidungen einzubeziehen.

Längere Fristen sorgen ebenfalls für Kritik

Die Leopoldina wendet sich auch gegen den Plan, Produkte mit ausgelaufener Zulassung länger verkaufen und verwenden zu dürfen. Nach den aktuellen Vorschlägen könnten solche Mittel noch bis zu drei Jahre im Umlauf bleiben. Bisher liegt die Frist bei eineinhalb Jahren.

Aus Sicht der Akademie würde sich dadurch die Belastung durch Stoffe verlängern, deren Risiken bereits als nicht mehr akzeptabel eingestuft wurden. Das betrifft nicht nur die Umwelt, sondern auch den vorsorgenden Gesundheitsschutz.

Zwischen Vereinfachung und Vorsorge

Die EU-Kommission will mit den Änderungen Verfahren vereinfachen, Behörden entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Dagegen steht die Frage, ob ein schnelleres System beim Gesundheitsschutz Abstriche machen darf. Genau darüber wird nun diskutiert.

Die Debatte zeigt, dass Pflanzenschutzmittel nicht nur Landwirtschaft und Umwelt betreffen. Sie gehören auch in die Gesundheitsvorsorge. Ein gutes Zulassungssystem muss deshalb beides leisten: praktikabel bleiben und zugleich offen genug sein, um auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse reagieren zu können.