Artikel vom 10.09.2025
Künstliche Intelligenz verändert die Medizin in rasantem Tempo. Sie unterstützt bei Diagnosen, sie hilft bei Therapieentscheidungen und kann Abläufe beschleunigen.
Bisher wurde vor allem untersucht, wie Ärztinnen und Ärzte diesen Wandel bewerten. Doch wie Patienten über den KI Einsatz denken eigentlich die Patienten darüber? Diese Frage stellte sich ein Forschungsteam der Technischen Universität München. Im Rahmen der COMFORT-Studie wurden mehr als 14.000 Menschen in 74 Kliniken auf sechs Kontinenten befragt.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine Mehrheit von knapp 58 Prozent den Einsatz von KI in der Medizin positiv sieht. Es werden jedoch Unterschiede deutlich, wenn man genauer hinsieht: Männer stehen der Technologie positiver gegenüber als Frauen.
Patienten, die sich als gut informiert einstuften, standen der Technologie fast immer aufgeschlossen gegenüber. In dieser Gruppe lag die Zustimmung bei über 80 Prozent.
Besonders interessant ist der Einfluss des Gesundheitszustand auf das Ergebnis der Umfrage. Menschen mit schweren Erkrankungen äußerten deutlich häufiger Vorbehalte. Mehr als die Hälfte dieser Patienten bewertete KI eher kritisch. Unter Personen mit optimalem Gesundheitszustand zeigte sich dagegen nur selten Ablehnung.
Warum die Meinungen hier so stark auseinandergehen, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Vermutet werden Faktoren wie Krankheitslast, individuelle Erfahrungen im Gesundheitssystem und auch psychologische Aspekte.
Die Befragten machten auch deutlich, welche Bedingungen für sie entscheidend sind. An erster Stelle steht die Nachvollziehbarkeit: Mehr als 70 Prozent wünschen sich Systeme, deren Ergebnisse verständlich erklärt werden können.
Ebenso viele betonten, dass die letzte Entscheidung nicht bei Maschinen liegen darf, sondern die Ärzte das letzte Wort behalten sollen. Rein KI-basierte Diagnosen stießen daher auf breite Ablehnung. Doch ganz auf KI verzichten wollten allerdings nur wenige.
Damit zeigt sich ein klares Muster: Patienten sind offen gegenüber neuen Technologien, solange sie transparent arbeiten und die menschliche Verantwortung durch die Ärzte gewahrt bleibt.
Die Studie wurde 2023 erhoben und seither hat sich die Technik, hauptsächlich im Bereich der Sprachmodelle, spürbar weiterentwickelt. Ob sich damit auch die Einstellungen der Patienten verändert haben, bleibt aktuell offen.
Um diese Entwicklung nachzuzeichnen, läuft bereits eine Folgebefragung im Rahmen des COMFORT-Konsortiums. Ziel ist es, den Einsatz von KI in der Medizin so zu gestalten, dass er den Bedürfnissen der Betroffenen entspricht und Vertrauen frühzeitig gesichert wird.