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Multimorbidität ab 50: Warum mehrere chronische Erkrankungen die Versorgung verändern

Artikel vom 03.06.2026

Multimorbidität beginnt früher, als es der Begriff vermuten lässt.

Ein Arzt erklärt einer älteren Patientin in einer ruhigen Hausarztpraxis einen Medikationsplan und bespricht mehrere Arzneimittel, die auf dem Tisch liegen. Die Szene vermittelt die Herausforderungen einer Versorgung mit mehreren chronischen Erkrankungen und zeigt die Bedeutung von Abstimmung, Überblick und persönlicher Betreuung im Praxisalltag. Dezente Elemente in der CI-Farbe greifen den modernen medizinischen Charakter der Umgebung auf.

Der neue Zi-Versorgungsatlas zeigt, dass bereits zwischen 50 und 59 Jahren fast jede zweite Frau und mehr als vier von zehn Männer mit mindestens zwei chronischen Erkrankungen leben. Konkret nennt die Auswertung rund 45 Prozent bei Frauen und etwa 43 Prozent bei Männern.

Der Bericht bleibt aber nicht nur bei diesen Zahlen stehen. Er betrachtet auch, wie sich mehrere chronische Erkrankungen über die Jahre entwickelt haben und wo regionale Unterschiede sichtbar werden.

Warum mehrere Diagnosen den Alltag in Praxen verändern

In der Versorgung zählt nicht nur, wie viele Diagnosen in der Akte stehen. Schwierig wird es vor allem dann, wenn Erkrankungen ineinandergreifen. Eine Therapie kann an einer Stelle helfen und an anderer Stelle neue Risiken schaffen, und in diesem Zusammenhang müssen auch Medikamente genauer geprüft werden, sobald mehrere Präparate zusammenkommen.

Im Praxisalltag betrifft das häufig Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Schmerzen, Nierenerkrankungen oder psychischen Belastungen.

Diese Beschwerden treten oft nicht getrennt voneinander auf, sondern beeinflussen Behandlung, Verlauf und Alltag gemeinsam. Besonders Hausarztpraxen übernehmen dabei eine wichtige Rolle, weil dort viele Befunde, Medikationspläne und Rückmeldungen zusammenlaufen.

Hohe Krankheitslast nimmt deutlich zu

Auffällig ist laut Zi auch die Entwicklung bei Menschen mit fünf oder mehr chronischen Erkrankungen. Diese Gruppe ist über zehn Jahre besonders stark gewachsen. Im Jahr 2024 betraf das rund 12 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer ab 50 Jahren.

Für Praxen bedeutet das mehr Abstimmung, mehr Medikationsprüfung und häufiger die Frage, welche Therapie im Moment wirklich Vorrang hat.

Wenn Facharztpraxen, Kliniken, Pflege, Angehörige und therapeutische Angebote beteiligt sind, braucht die Versorgung klare Linien. Sonst steigt das Risiko, dass Informationen verloren gehen oder Behandlungen nebeneinanderherlaufen.

Regionale Unterschiede zeigen zusätzlichen Handlungsbedarf

Nach Angaben der KBV sind Menschen in Ostdeutschland häufiger von mehreren chronischen Erkrankungen betroffen als Menschen in Westdeutschland, unabhängig davon, wie stark eine Region sozial oder wirtschaftlich belastet ist.

Für die Versorgungsplanung ist das wichtig. Denn: Wo viele Menschen mit mehreren chronischen Erkrankungen leben, braucht es gut erreichbare Hausarztpraxen, verlässliche Facharztstrukturen und Präventionsangebote, die im Alltag der Betroffenen ankommen.

Was die Zahlen für die Versorgung bedeuten

Multimorbidität ist somit kein Randthema des hohen Alters. Sie betrifft bereits Menschen, die berufstätig sind, Familien organisieren und nebenbei mehrere Therapien bewältigen müssen.

Die Zi-Auswertung zeigt damit, warum ambulante Versorgung künftig noch stärker auf Überblick, Priorisierung und gute Abstimmung angewiesen ist.

Entscheidend ist nicht die einzelne Diagnose, sondern der Mensch mit seiner gesamten Krankheitslast.