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Wie krisenfest sind Arztpraxen? Neue Erhebung lenkt den Blick auf Stromausfall, Energieversorgung und Patientenalltag

Artikel vom 06.05.2026

Die ambulante Versorgung steht selten im Mittelpunkt, wenn über Katastrophenschutz gesprochen wird.

Mehrere medizinische Fachkräfte sitzen in einer Praxis zusammen und besprechen Unterlagen zur Organisation von Abläufen in besonderen Situationen. Die Szene zeigt eine konzentrierte Teamarbeit mit Dokumenten und Notizen auf dem Tisch, während im Hintergrund typische Praxisausstattung zu sehen ist. Das Motiv steht für die strukturierte Vorbereitung auf mögliche Störungen im Versorgungsalltag und die Bedeutung klarer Abläufe für eine stabile Patientenversorgun

Meist geht es um Kliniken, Rettungsdienste oder Pflegeeinrichtungen.

Eine neue Erhebung des Zi-Praxis-Panels rückt nun Arzt- und Psychotherapiepraxen stärker in den Fokus. Rund 70.000 Praxen werden zur wirtschaftlichen Lage und zur Krisenfestigkeit befragt.

Der Schwerpunkt liegt auf Szenarien wie Stromausfall, Ausfall der Telekommunikation, Lagerhaltung und Personalverfügbarkeit.

Warum Praxen im Krisenfall systemrelevant sind

Arztpraxen übernehmen im Alltag den größten Teil der medizinischen Erstversorgung. Fällt eine Praxis wegen fehlendem Strom, defekter IT oder unterbrochener Kommunikation aus, betrifft das nicht nur einzelne Termine, sondern kann auch die Versorgung chronisch Kranker, die Ausstellung wichtiger Verordnungen, die Laboranbindung oder die Weiterleitung dringender Fälle erschweren.

Die KBV verweist beim aktuellen Zi-Praxis-Panel ausdrücklich auf multiple Krisen und die weltpolitische Lage. Abgefragt wird, wie Praxen mit Ausfällen kritischer Infrastruktur umgehen könnten und welche Unterstützung sie benötigen.

Damit entsteht erstmals ein breiteres Lagebild der ambulanten Krisenresilienz.

Energieversorgung bleibt ein sensibles Thema

Die Energiekrise hat gezeigt, wie abhängig medizinische Abläufe von stabiler Versorgung sind. Auch wenn die Bundesnetzagentur die Lage bei der Gasversorgung inzwischen entspannter bewertet und seit Juli 2025 nur noch die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas gilt, bleibt Energieversorgung ein sensibles Risiko.

Preise, geopolitische Unsicherheiten und mögliche technische Störungen können Praxen direkt treffen. Ein längerer Stromausfall hätte im Praxisbetrieb unmittelbare Folgen.

Digitale Patientenakten, Kartenterminals, Telefone, Kühlsysteme für Medikamente, Sterilisationsgeräte oder elektronische Verordnungen benötigen Energie. Für manche Fachrichtungen, etwa Dialysezentren, Labore oder chirurgische Praxen, kann ein Ausfall besonders kritisch werden.

Auch Patienten tragen Verantwortung

Das Thema betrifft nicht nur Praxisteams. Patienten sollten ebenfalls prüfen, wie abhängig ihre eigene Versorgung von funktionierenden Strukturen ist. Wer dauerhaft Medikamente benötigt, sollte rechtzeitig an Folgerezepte denken und wichtige Unterlagen griffbereit halten.

Wichtige medizinische Informationen sollten nicht erst gesucht werden müssen, wenn Telefon, Internet oder Strom ausfallen. Sinnvoll ist eine kleine, gut auffindbare Mappe mit aktuellem Medikationsplan, bekannten Vorerkrankungen, Allergien, Notfallkontakten und Hinweisen zu Hilfsmitteln. Zur privaten Vorsorge gehört außerdem ein überschaubarer Vorrat für den Notfall wie eine gut ausgestattete Hausapotheke.

Medizinische Vorsorge bedeutet dabei nicht Panik, sondern Entlastung. Wer vorbereitet ist, kann in einer Störung ruhiger handeln und Praxen, Rettungsdienst und Notaufnahmen entlasten.

Versorgung braucht Vorbereitung auf beiden Seiten

Die neue Erhebung kann zeigen, wo Praxen bereits gut vorbereitet sind und wo konkrete Unterstützung fehlt. Entscheidend wird sein, ob daraus praktische Maßnahmen entstehen: klare Meldewege, Notfallpläne, Mindestvorräte, Kommunikationsalternativen und realistische Vorgaben für den ambulanten Bereich.

Die Energiekrise macht deutlich, dass Gesundheitsversorgung nicht erst im Krankenhaus beginnt. Sie beginnt dort, wo Patienten im Alltag zuerst Hilfe suchen: in der Praxis vor Ort.