Artikel vom 27.08.2025
Ein Vorschlag aus den Reihen des Arbeitgeberverbands BDA sorgt seit Mitte August 2025 für Aufsehen. Diskutiert wird die Einführung einer Kontaktgebühr bei Arztterminen. Ziel wäre, unnötige Arztbesuche einzudämmen und die leeren Kassen zu entlasten.
Doch die Erinnerungen an die Praxisgebühr sitzen tief. Das erklärt, warum sich seit Tagen ein breiter Widerstand formiert und die Debatte jetzt neue Fahrt aufnimmt.
Die gesetzlichen Krankenkassen rechnen seit Monaten mit steigenden Defiziten. Für den BDA liegt ein Teil der Ursache darin, dass in Deutschland überdurchschnittlich viele Arztkontakte stattfinden.
Eine kleine Gebühr bei jedem Termin könne, so das Argument, den Gang in die Praxis bewusster machen. Über die Höhe schweigt sich der Verband bislang aus, aber schon jetzt zeigt sich, dass dieser Vorschlag mehr Gegenwehr als Zustimmung hervorruft.
Hausärztinnen und Hausärzte halten wenig von der Idee. Sie sehen darin keine Lösung, sondern ein zusätzliches Risiko: Denn, wer krank ist, soll nicht überlegen müssen, ob er sich den Besuch auch leisten kann. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnt ebenfalls. Zwar brauche es bessere Steuerungsinstrumente, doch eine Rückkehr zu Zahlungen bei jedem Termin würde alte Probleme wiederholen.
Patientenschützer verweisen auf die Erfahrungen mit der Praxisgebühr. Sie galt von 2004 bis 2012, wurde dann aber wieder abgeschafft, weil sie kaum Lenkungswirkung aufwies. Stattdessen brachte sie viel Bürokratie und wenig Nutzen.
Für Menschen mit geringem Einkommen stellte sie eine zusätzliche Belastung dar und aus Sicht der Verbände würde sich daran auch heute nichts ändern.
Offiziell ist der Vorstoß nicht mehr als eine Wortmeldung des BDA. Dennoch blieb er in der Politik nicht unbeachtet. Vertreter mehrerer Parteien äußerten sich kritisch und stellten infrage, ob eine Gebühr überhaupt in die Zeit passt.
Die Gewerkschaften schlugen ähnliche Töne an und erinnerten daran, dass das Vertrauen in die Versorgung nicht durch zusätzliche Hürden, wie zusätzliche Kosten für die gesetzlich Versicherten, gefährdet werden dürfe.
Die frühere Praxisgebühr war mit zehn Euro pro Quartal belegt, sollte Patientenströme lenken und Geld in die Kassen bringen. Am Ende erfüllte sie keinen dieser Zwecke.
Hohe Verwaltungskosten, Unmut bei Ärzten sowie ein breiter Unwillen in der Bevölkerung führten dazu, dass sie nach acht Jahren Geschichte war. Diese Erfahrung prägt die aktuelle Debatte deutlich.Dass eine Kontaktgebühr politische Mehrheiten findet, gilt derzeit als unwahrscheinlich. Vieles spricht dafür, dass andere Wege gesucht werden. Diskutiert werden digitale Steuerung, eine stärkere Rolle der Hausärzte und Anreize für eine effizientere Nutzung von Angeboten.
Klar ist nur: Die Frage, wie das Gesundheitssystem finanziell stabil bleibt, wird Deutschland noch lange beschäftigen.