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Deutsche Palliativ Stiftung warnt vor neuer Regelung zur Suizidassistenz und sieht wachsende Gefahr

Artikel vom 03.09.2025

Eine Ärztin spricht mit einer älteren Patientin in einem hellen Raum. Beide wirken ernst und nachdenklich, was die sensible Diskussion um Suizidassistenz widerspiegelt.

Die Deutsche Palliativ Stiftung blickt mit Sorge auf die aktuelle Diskussion. Ein neues Gesetz zur Suizidassistenz würde, so die Befürchtung, den Schutz des Lebens schwächen. Was heute noch als Ausnahme gilt, könnte schnell zur Normalität werden.

Besonders ältere und schwerkranke Menschen könnten dadurch das Gefühl bekommen, nicht mehr weiterleben zu sollen. Für die Stiftung wäre dies ein Schritt, der den Wert des Lebens spürbar herabsetzt.

Der Blick nach Kanada und in die Niederlande

Wie sich Entwicklungen verändern können, zeigt ein Blick nach Kanada und in die Niederlande. Kanada führte 2016 die Sterbehilfe ein und zunächst blieb die Zahl der Fälle gering. Doch schon nach wenigen Jahren stiegen diese spürbar an. Im Jahr 2023 war dort fast jeder zwanzigste Todesfall auf eine Unterstützung durch Ärzte zurückzuführen.

Auch in den Niederlanden sind ähnliche Entwicklungen sichtbar. 2024 wurden knapp 10.000 Fälle gemeldet, was bei rund 172.000 Todesfällen fast 6 % ausmacht.

Für die Deutsche Palliativ Stiftung sind diese Zahlen ein deutliches Warnsignal, denn sie befürchtet, dass mit jeder Liberalisierung die Hemmschwelle weiter sinkt.

In Deutschland fehlt ein klares Gesetz

Hierzulande hat das Bundesverfassungsgericht 2020 das alte Verbot aufgehoben. Seither gilt: Ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben ist zwar, auch mit Hilfe von Ärzten vorhanden, aber ein klares Gesetz fehlt.

Zwei Entwürfe im Bundestag sind gescheitert und neue Vorschläge liegen nicht auf dem Tisch. Damit bleibt die Lage unsicher. Für Ärzte stellt das eine schwierige Situation dar. Sie stehen vor Fragen, die rechtlich nicht eindeutig beantwortet sind. Ebenso bleibt für Betroffene und Angehörige unklar, welche Unterstützung im Ernstfall zulässig wäre.

Palliative Sedierung im Gespräch

Ein wichtiger Punkt ist die sogenannte palliative Sedierung. Sie soll schwerkranken Menschen helfen, indem sie in einen tiefen Schlaf versetzt werden. So lassen sich starke Schmerzen lindern, wenn andere Mittel nicht mehr greifen.

Eigentlich soll das Leben dadurch nicht verkürzt werden, doch Kritiker befürchten, dass in der Praxis manchmal höhere Dosen gegeben werden, als notwendig wären. Das kann das Sterben beschleunigen - und sorgt für zusätzliche Unsicherheit.

Sterbehilfe zwischen Lebensschutz und Selbstbestimmung - die Diskussion geht weiter

Das Thema Sterbehilfe wird Deutschland noch lange beschäftigen. Beispiele aus Kanada und den Niederlanden zeigen, wie rasch sich Zahlen verändern können. Die Deutsche Palliativ Stiftung warnt deshalb vor einem schleichenden Wandel. Ihrer Ansicht nach darf der Schutz des Lebens nicht zur Nebensache werden.

Gleichzeitig ist klar: Die gesellschaftliche Debatte wird weitergehen. Wie sie ausgeht, ist offen - doch die Fragen, die sie aufwirft, betreffen jeden.