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Digitale Terminvergabe: Ältere Patienten dürfen nicht den Anschluss verlieren

Artikel vom 23.09.2026

Für viele Patienten gehört inzwischen zum Alltag, dass Arzttermine per App oder Online-Portal vereinbart werden.

Eine ältere Patientin steht am Empfang einer Arztpraxis und lässt sich von einer Mitarbeiterin die Terminvereinbarung über digitale Geräte erklären. Das Motiv macht deutlich, dass die digitale Terminvergabe den Praxisalltag zunehmend prägt, ältere Menschen dabei jedoch weiterhin auf persönliche Unterstützung und alternative Zugangswege angewiesen sein können. Die Szene steht für die Verbindung von Digitalisierung, Erreichbarkeit und niedrigschwelliger medizinischer Versorgung.

Schwierig wird es allerdings, wenn Praxen Termine fast ausschließlich digital vergeben und telefonisch kaum noch erreichbar sind.

Vor allem ältere Menschen können dadurch vor einer zusätzlichen Hürde stehen. Die Verbraucherzentrale Hessen fordert deshalb, neben digitalen Angeboten auch weiterhin andere Wege zur Terminvereinbarung offenzuhalten.

Telefonischer Kontakt wird in manchen Praxen seltener

Online-Terminbuchungen können Patienten und Praxen entlasten. Termine lassen sich unabhängig von Öffnungszeiten vereinbaren und freie Kapazitäten werden schneller sichtbar. Auch Rückfragen oder kurzfristige Änderungen können über digitale Systeme einfacher organisiert werden.

Problematisch wird es jedoch, wenn diese Angebote zur einzigen Möglichkeit werden, überhaupt einen Termin zu bekommen.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Hessen gibt es bereits Praxen, die telefonisch nur schwer oder gar nicht mehr direkt erreichbar sind. Für Menschen, die kein Smartphone nutzen oder mit Apps und Online-Portalen wenig Erfahrung haben, kann das den Zugang zur medizinischen Versorgung erschweren. Das betrifft nicht nur ältere Patienten, sondern auch Menschen mit Sehproblemen, eingeschränkten Deutschkenntnissen oder fehlendem Internetzugang.

Dabei bedeutet höheres Alter keineswegs automatisch, dass digitale Angebote abgelehnt werden.

Eine repräsentative Bitkom-Befragung unter Menschen ab 65 Jahren zeigte Anfang 2026, dass bereits jeder Zweite Arzttermine online vereinbart. Weitere 23 Prozent könnten sich vorstellen, diesen Weg künftig zu nutzen.

Dennoch bleibt eine größere Gruppe, die weiterhin auf Telefon oder persönlichen Kontakt angewiesen ist.

Analoge Möglichkeiten sollen erhalten bleiben

Verbraucherschützer sprechen sich deshalb dafür aus, digitale und klassische Wege parallel anzubieten. Patienten sollten einen Termin auch telefonisch oder direkt in der Praxis vereinbaren können. Besonders wichtig ist das, wenn kurzfristig Beschwerden auftreten oder Unsicherheiten bestehen, die sich nicht über ein Buchungssystem klären lassen.

Auch für Praxen kann eine Kombination verschiedener Kontaktwege sinnvoll sein. Nicht jede Anfrage braucht ein längeres Telefonat, zugleich lässt sich nicht jedes Anliegen mit wenigen Klicks erledigen. Klare Hinweise zu telefonischen Sprechzeiten, Online-Buchung und persönlicher Terminvereinbarung können helfen, dass Patienten schneller den passenden Weg finden.

Gerade bei älteren oder eingeschränkten Menschen bleibt dabei ein erreichbarer Ansprechpartner wichtig.

Digitalisierung der Terminvergabe nimmt weiter zu

Der Trend zur digitalen Terminvermittlung dürfte sich dennoch fortsetzen. Das Bundesgesundheitsministerium plant, digitale Angebote stärker mit weiteren Anwendungen im Gesundheitswesen zu verknüpfen. Auch für Terminplattformen sollen künftig klarere Vorgaben gelten.

Für Arztpraxen entsteht damit ein Spagat. Digitale Systeme können Abläufe vereinfachen und die Organisation erleichtern. Gleichzeitig sollte medizinische Versorgung nicht davon abhängen, ob jemand sicher mit Apps oder Online-Portalen umgehen kann.

Entscheidend bleibt deshalb, dass digitale Angebote den Zugang ergänzen und nicht zum neuen Hindernis werden.